Dienstag, 24. Januar 2017

Konkurrenzdenken oder Leben und Leben lassen? [Kolumne]

Werte Leser,

In jedem Bereich gibt es Themen, die man von A-Z mehrmals durchdiskutieren könnte, weil die Meinung so gespalten ist, dass kein Konsens erreicht werden kann. So auch bei dem Thema, welches ich heute aufgreife.

Konkurrenzdenken oder Leben und Leben lassen?


Diese Frage hat sich wohl so mancher Unternehmer selber auch schon ein, - oder mehrmals im Leben gestellt, da bin ich mir ohne Zweifel sicher. Natürlich empfindet jeder Unternehmer seine Mitbewerber aus einer Sichtweise betrachtet als Konkurrenz. Dann gibt es aber jene, die von Ihrer Dienstleistung so überzeugt sind und in den Mitbewerbern kaum oder sogar keine Konkurrenz sehen. Und am Ende betrachtet gibt es dann auch noch die Randgruppe. Die Randgruppe die findet wir wollen "Leben und die Konkurrenz Leben lassen".

Irgendwo hat alles seine Grenzen, auch der Konkurrenzkampf.

In all den Jahren im Baugewerbe habe ich Konkurrenzkämpfe mitbekommen, wo ich nur den Kopf schütteln konnte. Konkurrenzkämpfe, die unserer Schweizer Bauwirtschaft, somit auch der Preispolitik und schlussendlich den Bauunternehmen selber mehr schaden, als bewusst ist. Und das traurigste daran ist, es sind meist die grösseren Unternehmen, die es eigentlich gar nicht nötig hätten. (Natürlich sind nicht alle Grossbetriebe so!) Und wenn Sie dann zu wenig Grossaufträge haben, dann ist es selbstverständlich, dass man im Auftragsbereich der Kleinbetriebe rein funkt und Preise macht, die ein Kleinbetrieb nicht verantworten kann. Natürlich ist nicht jeder Grossunternehmer so und ausserdem gehören immer zwei dazu. Die Bauherren drücken den Preis weiter und weiter, - wollen so wenig wie möglich bezahlen. Aber irgendwo sollte man als Bauherr auch das Verständnis mitbringen, dass die Männer auf dem Bau tagtäglich krüppeln und mehr als "nur" den Mindestlohn verdienen würden. Mit dieser sinkenden Preispolitik wird der Unternehmer irgendwann aber nicht mal mehr den Mindestlohn zahlen können. Das sollte all denen, die in dem Preisgemetzel mitmachen klar sein.

Wir sitzen alle im gleichen Boot

Eigentlich sitzen wir als Unternehmer ja alle im gleichen Boot. Ohne Zweifel. Begreifen kann man das aber nur, wenn man nicht in jedem Mitbewerber gleich die Konkurrenz sieht. Und da wir alle im gleichen Boot sitzen, fällt auch niemandem eine Zacke aus der Krone, wenn er mal einem Mitbewerber hilft, oder? Zumindest ich sehe das so. Ich bin aber auch, was das Geschäftliche betrifft eher "altmodisch" erzogen worden. Dazu habe ich einen Konkurs in einer Bauunternehmung miterlebt, welcher mein Denken damals ebenso recht beeinflusst hat. 

Leben und Leben lassen!

Leben und Leben lassen war schon immer einer meiner Leitsätze. Es tut uns doch nicht weh ab und an mal über unsere Tischkante zu denken und soziale Kompetenzen und Solidarität einzubringen, oder? Und wenn die Grossen mehrheitlich nicht so denken wollen, - weil Sie es nicht nötig haben, dann sollten es zumindest wir Kleinbetriebe tun.

Ja! Ich kann mich auch mal freuen, wenn der kleine Mitbewerber vom Dorf, oder von der Region einen Auftrag bekommen hat! Weshalb sollte ich das nicht? Und wenn der kleine Mitbewerber halt Hilfe braucht, sei es aufgrund zu wenig Arbeit oder zu wenig Leute, dann bringe ich zumindest soviel Solidarität und Sozialkompetenz mit, dass ich ohne lange Nachzudenken Hilfe anbieten kann. Kurz gesagt nennt man dies unter anderem auch ein "Geben und Nehmen" oder "Die eine Hand wäscht die Andere".

Nein, ich bin keine schlechte Unternehmerin, nur weil ich ab und an auch an meine kleinen Mitbewerber denke. Jedes Geschäft hat seine Geschichte und es steckt viel Arbeit und Durchhaltevermögen dahinter, denn die Bauwirtschaft ist nicht immer einfach zu nehmen. Und so betrachtet wäre es doch um jedes der Baugeschäfte schade, wenn es zugrunde ginge!

In diesem Sinne, habt eine gute Zeit!





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